Mehr Grün fordern – vorhandenes Grün erhalten!

Grüne zum Hitzeschutz: Wer über Entsiegelung und Bäume spricht, muss beim Jahnsportplatz Farbe bekennen

„Schön, dass sich die ‚Roten Rentner‘ jetzt unseren seit langem bekannten Forderungen anschließen“, kommentieren Silke Rückert und Frank Raupach, Fraktionsvorsitzende von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN in Seligenstadt, die aktuelle Diskussion über den Hitzeschutz.

Die Grünen haben das Thema bereits mehrfach in die Stadtverordnetenversammlung eingebracht und wollen nun mit einer umfangreichen Anfrage vom Magistrat wissen, welche konkreten Konsequenzen aus den zunehmenden Hitzewellen gezogen werden.

„Dass wir handeln müssen, kann nach diesem Sommer eigentlich niemand mehr ernsthaft bestreiten“, sagt Silke Rückert. „Wir brauchen mehr Schatten, mehr Bäume und Grün, weniger versiegelte Flächen, Trinkwasserangebote und öffentliche Orte, an denen sich Menschen auch an heißen Tagen gut aufhalten können.“

Die Grünen fragen deshalb unter anderem nach den Auswirkungen der Hitze auf Gesundheit, Stadtgrün, Mobilität, Infrastruktur, Handel und Wirtschaft. Ebenso wollen sie wissen, was aus bereits angekündigten Maßnahmen wie mobiler Begrünung und flexibler Beschattung geworden ist und welche zusätzlichen Maßnahmen die Stadt zum Schutz besonders gefährdeter Menschen sowie in Schulen, Kitas, auf Spielplätzen, in Pflegeheimen und anderen besonders belasteten Bereichen plant.

„Zu Hause bleiben kann nicht die Antwort sein“

Umso befremdlicher sind für die Grünen die Äußerungen des FDP-Bürgermeisters zur Frage, wie die Menschen auf extreme Hitze reagieren sollen.

„Die Antwort auf den Klimawandel kann doch nicht sein, dass die Menschen bei Hitze zu Hause bleiben sollen“, kritisiert Frank Raupach. „Aufgabe der Stadtpolitik muss genau das Gegenteil sein: Wir müssen dafür sorgen, dass sich die Menschen auch künftig zu jeder Tages- und Jahreszeit möglichst gut im öffentlichen Raum aufhalten können.“

Für Silke Rückert hat die Aussage auch eine wirtschaftliche Dimension:

„Den Menschen bei Hitze sinngemäß das zuhause bleiben zu empfehlen, ist ein Schlag ins Gesicht unserer Gastronomen, Einzelhändler und Gewerbetreibenden. Sie leben davon, dass Menschen in die Stadt kommen, einkaufen, essen und trinken und sich gerne in Seligenstadt aufhalten. Und eine Innenstadt, in der weniger los ist, kann ganz sicher auch nicht im Interesse unserer Stadtkasse sein.“

Klimaanpassung und eine lebendige Innenstadt seien deshalb keine Gegensätze, sondern gehörten unmittelbar zusammen.

„Schatten, Bäume, Trinkwasser, entsiegelte Flächen und attraktive, kühlere Aufenthaltsorte sind nicht nur eine Antwort auf den Klimawandel“, ergänzt Rückert. „Sie erhöhen die Lebensqualität und sind gleichzeitig aktive Innenstadt- und Wirtschaftsförderung.“

Und dann ist da der Jahnsportplatz

Besonders unglaubwürdig wird die Debatte aus Sicht der Grünen dort, wo einerseits Entsiegelung und zusätzliche Bäume bei größeren Bauvorhaben als Antwort auf die Hitze genannt werden, andererseits aber seit Jahren über die Zukunft des Jahnsportplatzes gestritten wird.

Für Frank Raupach liegt darin ein offensichtlicher Widerspruch:

„Wir reden darüber, Flächen zu entsiegeln und neue Bäume zu pflanzen. Gleichzeitig soll ausgerechnet eine der letzten verbliebenen größeren Grünflächen im innerstädtischen Bereich für Investorenpläne zur Disposition gestellt werden. Das passt schlicht nicht zusammen.“

Die Haltung der Grünen zum Jahnsportplatz ist seit Beginn der Auseinandersetzung eindeutig: Die Fläche soll als Grünfläche erhalten bleiben.

„Wir sind die einzige politische Kraft in Seligenstadt, die immer klar gesagt hat: Diese Grünfläche wollen wir erhalten“, betont Raupach. „Die Entwicklung der vergangenen Jahre bestätigt uns darin mehr denn je. In einer immer heißer werdenden Stadt sind unversiegelte Grünflächen kein Luxus und erst recht keine Reserve für das nächste Bauprojekt.“

Silke Rückert verweist dabei auf die Bedeutung solcher Flächen für das Stadtklima:

„Gerade jetzt erleben wir doch, welchen Wert Grünflächen für eine Stadt haben. Sie spenden nicht nur Schatten und bieten Aufenthaltsqualität. Unversiegelte Böden können Wasser aufnehmen, Grün sorgt für Kühlung. Es wäre doch absurd, über immer neue Maßnahmen zur Klimaanpassung zu diskutieren und gleichzeitig eine vorhandene Grünfläche aufzugeben.“

Den Hinweis auf Entsiegelung und zusätzliche Bäume bei größeren Bauvorhaben halten die Grünen vor diesem Hintergrund für wenig überzeugend.

„Erst eine Grünfläche zu bebauen und anschließend mit Entsiegelung und neu gepflanzten Bäumen Klimaanpassung betreiben zu wollen, ist widersinnig“, sagt Raupach. „Der beste Schutz vor weiterer Versiegelung ist immer noch, eine vorhandene Grünfläche gar nicht erst zu versiegeln.“

Für die Grünen ist der Jahnsportplatz deshalb längst zu einer Grundsatzfrage der Seligenstädter Stadtentwicklung geworden.

„Hier zeigt sich, wie ernst die schönen Worte über Klimaanpassung, Entsiegelung und mehr Grün wirklich gemeint sind“, so Rückert. „Wer heute mehr Grün fordert, muss auch bereit sein, das vorhandene Grün zu schützen.“

Was gestern abgelehnt wurde, ist heute plötzlich aktuell

Die Grünen erinnern zudem daran, dass viele der jetzt diskutierten Vorschläge keineswegs neu sind. Noch 2025 wurden Anträge zu einem Hitzeschutzplan und weiteren konkreten Maßnahmen von der Mehrheit in der Stadtverordnetenversammlung abgelehnt.

Dazu gehörten Trinkbrunnen und Refill-Stationen, kühle Aufenthaltsorte, Entsiegelung und Begrünung, Beschattungsmaßnahmen sowie ein digitales Hitze-Portal.

Mit ihrer aktuellen Anfrage wollen die Grünen deshalb auch wissen, ob der Magistrat angesichts der Erfahrungen dieses Sommers inzwischen Handlungsbedarf sieht und bereit ist, einzelne oder mehrere dieser Vorschläge wieder aufzugreifen.

„Wenn andere inzwischen erkennen, dass unsere Forderungen richtig waren, freuen wir uns darüber“, sagt Rückert. „Beim Hitzeschutz geht es nicht darum, wer eine Idee zuerst hatte. Entscheidend ist, dass endlich etwas passiert.“

Frank Raupach macht allerdings deutlich, dass sich die neue Aufmerksamkeit für Klimaanpassung auch in konkreten politischen Entscheidungen zeigen müsse:

„Mehr Bäume fordern und gleichzeitig Grünflächen zur Disposition stellen – das funktioniert nicht. Hitzeschutz beginnt nicht erst mit Sonnensegeln, Trinkbrunnen oder neu gepflanzten Bäumen. Er beginnt damit, sorgsam mit dem umzugehen, was wir bereits haben.“

Für die beiden Fraktionsvorsitzenden ist deshalb klar:

„Wer es mit Hitzeschutz und Klimaanpassung ernst meint, kommt am Erhalt vorhandener Grünflächen nicht vorbei. Und genau deshalb gehört der Jahnsportplatz als Grünfläche erhalten.“

Unsere Anfrage findet ihr hier:

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