Die Grünen in Seligenstadt kritisieren den erneuten Kauf von Biotopwertpunkten außerhalb der Stadt und fordern stattdessen lokale Lösungen für ökologische Ausgleichsmaßnahmen. In der Sitzungsrunde der Stadtverordnetenversammlung vom Februar standen zwei Magistratsanträge zur Abstimmung: einer betraf den Kauf von Biotopwertpunkten aus Büdingen, der andere den Erwerb von Punkten von einem Landwirt aus Seligenstadt.
Frank Raupach, Fraktionsvorsitzender der Grünen, begrüßt die Einbindung eines lokalen Akteurs, betont jedoch, dass dies nur ein erster Schritt sei. „Es ist erfreulich, dass nun erstmals ein lokaler Akteur in den Prozess eingebunden wird. Das zeigt, dass es durchaus Möglichkeiten gibt, Biotopwertpunkte hier vor Ort zu generieren“, so Raupach. Er dankte insbesondere Landwirt Stephan Neubauer für seine Initiative, die beweist, dass ökologischer Ausgleich auch in Seligenstadt möglich ist.
Biotopwertpunkte dienen dazu, Eingriffe in Natur und Landschaft durch Bauprojekte auszugleichen. Die Grünen fordern, dass solche Ausgleichsmaßnahmen vorrangig in Seligenstadt selbst umgesetzt werden, anstatt Gelder in andere Regionen abfließen zu lassen. Bereits in der vorhergehenden Sitzungsrunde hatten die Grünen einen Prüfantrag gestellt, der untersuchen sollte, wie Biotopwertpunkte direkt in Seligenstadt generiert werden können – sei es durch die Stadt selbst oder durch Kooperationen mit lokalen Landwirten oder Naturschutzprojekten. Der Antrag sah unter anderem vor, geeignete Flächen zu identifizieren, Fördermöglichkeiten zu prüfen und ein Konzept für die Integration in die Bauleitplanung zu entwickeln.
Doch die Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung lehnte diesen Antrag mit der Begründung ab, es gebe keine Möglichkeiten, Biotopwertpunkte in Seligenstadt zu generieren. „Nun zeigt sich, dass es diese Möglichkeiten sehr wohl gibt – sie müssen nur gewollt und geprüft werden“, kritisiert Raupach. „Unser Prüfantrag in der letzten Sitzungsrunde war ein wichtiger Schritt, um lokale Potenziale zu identifizieren. Dass er abgelehnt wurde, ist enttäuschend, denn die Initiative von Landwirt Neubauer beweist, dass unser Ansatz richtig war.“
Karsten Fetzer, umweltpolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion, bezeichnet den Kauf von Biotopwertpunkten außerhalb der Stadt als „modernen Ablasshandel“. „Wir zerstören hier Natur und kaufen uns dann anderswo frei, anstatt Verantwortung für unsere eigenen Eingriffe zu übernehmen“, so Fetzer. „Unser Prüfantrag hätte den Weg geebnet, um lokale Lösungen zu finden. Stattdessen wird weiterhin auf externe Lösungen gesetzt, die weder nachhaltig noch verantwortungsvoll sind.“
Die Grünen fordern weiterhin, dass Möglichkeiten zur Generierung von Biotopwertpunkten in Seligenstadt ernsthaft geprüft und genutzt werden. „Es gibt Wege, ökologischen Ausgleich direkt in Seligenstadt zu schaffen – sei es durch die Stadt selbst oder durch den Ankauf von Punkten von lokalen Akteuren, wie es Landwirt Neubauer nun zeigt. Diesen Ansatz müssen wir stärken, anstatt weiter Gelder in andere Landkreise zu überweisen“, betont Raupach.
Die Grünen werden sich auch künftig dafür einsetzen, dass Ausgleichsmaßnahmen dort stattfinden, wo sie benötigt werden: in Seligenstadt selbst. Sie fordern eine stärkere lokale Verantwortung und die Nutzung vorhandener Potenziale, um den ökologischen Ausgleich direkt vor Ort zu realisieren. Der abgelehnte Prüfantrag bleibt für sie ein wichtiger Bezugspunkt, um aufzuzeigen, dass lokale Lösungen möglich sind, wenn der politische Wille vorhanden ist.